Der Mond bedeckt einen Mini-Mars - zu Mittag!

Beobachtet auf der Sternwarte Violau, 10. Mai 2008

Austritt des nur 5 Bogensekunden großen Mondes hinter dem hellen Rand des Mondes, kurz nach 15:15 MESZ.
Das Bild ist nicht verzerrt: Was man sieht, ist die ausgeprägte Phase des Planeten!

Und so sind diese Bilder (und 2 Gigabyte andere ...) zustandegekommen:

Der 30-cm-Schaer-Refraktor der Sternwarte Violau des Bruder-Klaus-Heims: heutzutage kaum mehr benutzt - aber wieder problemlos einsetzbar (Dank an Christoph Mayer!), als just während der alljährlich dort stattfindenden Planeten- und Kometentagung eine Marsbedeckung durch den Mond stattfinden sollte.

Mitten am Tage - und bei einem so blauen Himmel wie selten und einer Dichte an Experten in Sachen Planeten-Imaging wie zu diesem Zeitpunkt vermutlich an keinem anderen Ort des Landes. Ja, da müsste doch ...

Die Tagungsteilnehmer verteilten sich auf drei Standorte: die Violauer Sternwarte, den sog. Dachgarten des Bruder-Klaus-Heimes selbst (der sich schon oft als Plattform für Teleskope bewährt hatte) und die nahe Sternwarte Streitheim, die der Gründer der Violauer Sternwarte im "Ruhestand" ebenfalls aufgebaut hat.

Von den fest installierten Geräten der Sternwarte Violau war nur der 12"-Schaer im Einsatz: Martin Fiedler vom Astroclub Radebeul installierte eine DMK-Firewire-Kamera im Primärfokus,

...

... deren Bilderstrom auf dem Monitor eines Notebooks erschien, das gleichzeitig so viele der Bilder wie möglich als BMP-Files - ideal für die spätere Bearbeitung - aufzeichnete.

Dank eines Polarisationsfilters und eines Rotfilters vor dem Kamerachip wurde die Helligkeit des Taghimmels erstaunlich reduziert, und auch die Mondoberfläche - mit geringerer Flächenhelligkeit - war detailreich und riesengross zu erkennen.

Parallel simulierte Bernd Brinkmann von der Sternwarte Herne auf einem anderen Notebook die relative Stellung von Mond und Mars in Echtzeit, so dass sich letzterer (durch 'Nach-Links-Fahren' von einem bestimmten Krater aus) gut finden und im Bildfeld platzieren liess. Ebenso konnte fuer den Austritt ein ansprechender Bildausschnitt vorgewählt werden.

So stellte sich der Eintritt für uns dar: Der Mars, räumlich aufgelöst und mit starker Phase (Defekt an der linken Seite) stand als waberndes Etwas vor schwarzem Grund. Das Seeing war zu diesem Zeitpunkt miserabel. Rund ein Dutzend Beobachter schauten - wild fotografierend und filmend :-) - zu, wie das Märschen in praktisch exakt der vorhergesagten Sekunde zu schrumpfen begann und vom dunklen Mondrand von "unten rechts" kommend aufgefressen wurde. Wie zuvor auf der Tagung von Alfons Gabel von der IOTA ES vorgerechnet, dauerte der Eintritt 13 Sekunden, dann war der Bildschirm schwarz, und es hiess, eine gute Stunde abzuwarten.

Da ist er wieder! Abermals praktisch in der von Gabel berechneten Sekunde erschien der Mars mit dem voll beleuchteten Rand voran als helle "Knospe" am Mondrand, und bei nun deutlich besserem Seeing war der Austritt visuell eine wahre Wonne.

Jetzt dauerte es 14 Sekunden, bis der Mars wieder ganz zu sehen war, nun auch mit klarer erkennbarer Phase. Per Handy war eine Telefonkonferenz arrangiert worden, und man konnte auch live erfahren, dass der Mars in Streitheim erst 9 Sekunden spaeter hinter dem Mond hervor kam! Sofort begann die Bildverarbeitung: Der Autor selektierte die BMPs der kritischen Sekunden mit der Hand (beim Austritt war vielleicht jedes 5. Bild gut genug), und Fiedler "giottierte" jeweils eine Handvoll dieser ausgewählten Bilder zu diesen drei Szenen des Austritts:

NEU: Zahlreiche weitere Dateien & Rohbilder von M. Fiedler!

Ein Vergleich mit Bildern aus Streitheim zeigt trotz der Nähe eine klare Parallaxe von einem Marsdurchmesser beim Austritt. Natürlich war auf der Sternwarte auch visuell beobachtet worden: Schon kleine Spektive wie dieses hier - mit eleganter Baumstamm-Montierung - zeigten den Mars beim Mond als winzigen orange Lichtpunkt neben einer blassen Mondsichel auf hellblauem Grund. Und im Sucher des Schaer war der Anblick auch nicht zu verachten.

Wie es eben kommt, wenn der Mars, der Mond und zahlreiche von Deutschlands Planetenbeobachtern mal auf einer Linie stehen ...

Daniel Fischer - zurück zum Blog

(Bilder, Filme und Berichte von anderen Standorten gibt es z.B. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier,
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