Meldungen Nr. 61 bis 70
vom 21.6.-7.7.2000
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NEAR tritt Eros noch näher

Vom 7. bis 31. Juli wird der erste Asteroidenorbiter NEAR seine 50-km-Kreisbahn um Eros verlassen und bis auf 35 bis 37 km Höhe hinabsteigen: Dieses gewagte Manöver ist eine Generalprobe für den endgültigen Anflug auf den Kleinplaneten im Februar 2001, der mit einer mehr oder weniger sanften Landung enden soll. Seit Ende Juni bereits sieht NEAR einen bisher unbekannten Eros, denn nun ist die Sonne zum ersten Mal seit der Ankunft der Sonde über dessen Südpol aufgegangen. Einziger Wermutstropfen der bisher überaus erfolgreichen Mission: Das Infrarotinstrument ist bis auf Weiteres ausgefallen. [7.7.2000]

[70] Links: ein NASA-Artikel zum Sonnenaufgang, ein entsprechender News Flash und der Orbit-Plan.



Galileo soll am Ende in den Jupiter gelenkt werden.

Die NASA soll alles unternehmen, damit ihr Jupiterorbiter Galileo nicht irgendwann auf den Mond Europa stürzt und ihn womöglich mit seiner Bakterienfracht von der Erde verseucht: Das hat ein hochrangiges Gremium gefordert, gilt Europa doch manchen Exobiologen als der bewohnbarste Ort des Sonnensystems nach der Erde (und noch vor dem Mars). Diese Direktive wird mithin den Fortgang der langen Jupiterrundfahrt Galileos bestimmen, die bereits in der zweiten Verlängerung ist: Nach weiteren Vorbeiflügen am Vulkanmond Io und der kleinen Amalthea (die Details sind noch nicht entschieden) wird Galileo zwischen 2002 und 2004 auf eine ballistische Bahn gebracht, die ihn unwiderruflich in den Jupiter hineinsteuert. Nur wenn es vorher zu gravierenden Ausfällen an Bord der bisher erstaunlich haltbaren Raumsonde kommen sollte, wird der finale Abstieg schon früher eingeleitet. [7.7.2000]

[69] Links: die
Richtlinien zur Entsorgung Galileos und eine Zusammenfassung sowie weitere Details aus Space Daily.



Gammaburst auf Sternentstehungsgebiet zurückgeführt

Es ist alles andere als klar, ob der berühmt-berüchtigte Gammastrahlenblitz vom 25. April 1998 ein typischer Vertreter dieser mysteriösen kosmischen Explosionen war oder vielmehr ein völlig abnormer Fall: Die Galaxie, auf die er zurückgeführt werden konnte, war wesentlich näher als jede andere, in der GRBs geortet werden - und praktisch zeitgleich mit dem Gammaburst flammte dort auch noch eine Supernova eines seltenen Typs auf, diese wiederum ungewöhnlich hell. Daß beide Phänomene zusammenhingen, hat sich zwar nie beweisen lassen, gilt aber als wahrscheinlich.

Nach dem Verblassen der Supernova hat jetzt, im Juni 2000, das Hubble Space Telescope die Galaxie mit seinem STIS-Instrument genauer betrachten können: Es ist eine Balkenspirale - und die Supernova (und damit auch der GRB?) ereignete sich mitten in einem großen Sternentstehungsgebiet in einem Spiralarm. Das könnte bedeuten, daß Gammabursts etwas mit jungen, massereichen Sternen zu tun haben (die noch nicht aus ihren Entstehungsgebieten herauswandern konnten, bevor sie explodieren) - wenn denn GRB 980425 ein typischer Gamma Ray Burst war. [7.7.2000]

[68] Links: ESA Science News.



Masterplan sichert weitere Nutzung des Mauna Kea

Nach jahrelangem Streit mit Eingeborenengruppen und Umweltschützern hat die University of Hawaii jetzt einem Nutzungsplan für den über 4000 Meter hohen Vulkan zugestimmt, der zwar den Ausbau einiger bestehender astronomischer Einrichtungen erlaubt, aber keine großen Neubauten. Auch sollen künftig die Ureinwohner ein Mitspracherecht bekommen - doch deren Gemeinde ist tief gespalten, und ein Teil will weiter gegen die astronomische Nutzung des Berges vor Gericht ziehen. Auf den neuen Direktor des Institute for Astronomy (siehe
Artikel Nr. 57) kommt noch eine Menge Arbeit zu... [7.7.2000]

[67] Quelle: Nature vom 22.6.2000 S. 872. Links: eine Pressemitteilung der U HI und ein AP-Artikel.



Streit um New Yorker Meteorit beigelegt

Gütlich geeinigt haben sich das New Yorker Hayden Planetarium und eine Indianergruppe über die Besitzrechte an einem 15-tönnigen Meteoriten, der seit Jahrzehnten die Ausstellung des Planetariums schmückt: Er darf dort bleiben (eine Entfernung hätte auch einen teilweisen Abriß des Planetariumsneubaus erzwungen), aber seine spirituelle Rolle für die Grand Ronde-Indianer wird anerkannt und auch mit einer Extratafel (neben der wissenschaftlichen) gewürdigt. [7.7.2000]

[66] Links: Details des Abkommens und ein NYT-Artikel.



Deep Space One wieder funktionstüchtig

Nach einem guten halben Jahr fast orientierungslosem Flug durch den Weltraum ist die experimentelle Raumsonde Deep Space 1 wieder in der Lage, sich korrekt an den Sternen auszurichten - aber nicht mit der Ende 1999 ausgefallenen Sternenkamera. Vielmehr ist es in monatelanger Arbeit gelungen, die wissenschaftliche Kamera MICAS als Navigationsinstrument umzuprogrammieren. Ende Juni konnte auch das Ionentriebwerk wieder eingeschaltet werden, das nun fast ein Jahr lang laufen und die Bahn von DS1 so verändern soll, daß die Sonde im September 2001 den Kometen Borrelly erreicht - für den ersten Kometenbesuch seit 15 Jahren. [7.7.2000]

[65] Links:
Details zur Rettung, die eigentliche Homepage und eine (mäßig aktuelle) deutsche Homepage.



Der komplizierteste »Nanosatellit« der Welt

ist nach Ansicht seiner britischen Erbauer SNAP-1 (Surrey Nanosatellite Applications Platform): Der am 28. Juni zusammen mit zwei weiteren Satelliten auf einer russischen Cosmos-3M in Plesetsk gestartete 6.5-kg-Satellit soll nämlich dank eines ausgeklügelten Kamerasystems in der Lage sein, einen der anderen Satelliten gezielt anzusteuern und mit ihm in Formationsflug zu gehen. Was hier nur eine Demonstration ist, könnte bei späteren Satelliten auch dazu dienen, an gefährlichen Weltraumschrott anzudocken und diesen dann in der Atmosphähre zu versenken - die SNAPs inklusive. [7.7.2000]

[64] Links: ein SSTL Press Release, die SNAP-1 Homepage und ein BBC-Artikel über die mögliche Anwendung.



900 +/- 100 gefährliche Asteroiden in Erdnähe

sieht die bisher detaillierteste Hochrechnung der Population der »Near Earth Asteroids« (NEAs) mit mehr als einem Kilometer Durchmesser. Diesmal wurden nicht nur die bisher gefundenen NEAs berücksichtigt (das sind Asteroiden, deren Periheldistanzen unter 1.3 und Apheldistanzen über 0.983 Astronomischen Einheiten liegen), sondern auch die Wege, auf denen diese Himmelskörper aus dem Hauptgürtel nachgeliefert werden. Demnach haben wir bisher rund 40 % der NEAs > 1 km entdeckt (die bei einem Einschlag den Fortbestand der menschlichen Zivilisation gefährden würden) - die einfachen 40 Prozent. Der Rest befindet sich hingegen auf hoch elliptischen oder geneigten Bahnen und wird deutlich schwerer zu finden sein. [7.7.2000]

[63] Quelle: Bottke et al., Science 288, 2190-4 [23.6.2000] Link:
Cornell Press Release.



Spuren von flüssigem Wasser auf dem heutigen Mars?

Eine Flut von Gerüchten, die seit dem 19. Juni die Runde machten, hat die NASA bewogen, eine länger geplante Pressekonferenz um eine Woche vorzuziehen: Der Mars Global Surveyor hat tatsächlich Anzeichen für flüssiges Wasser auf dem heutigen Mars gefunden, doch sie sind recht indirekter Natur und werfen viele Fragen auf. Die Evidenz besteht aus Abflußrinnen an Abhängen oder Kraterrändern, die zwar nicht direkt datierbar aber offensichtlich geologisch gesehen sehr jung sind. Denn wo immer diese Rinnen gesichtet wurden, liegen sie über allen anderen geologischen Formationen.

Kein anderer Mechanismus als fließendes Wasser ist den Marsgeologen rund um den MGS-Kamermann Mike Malin als Erklärung für die seltenen aber einander ähnlichen »Gullies« eingefallen - trotz geradezu verzweifelter Suche nach Alternativen, wie sie auf der Pressekonferenz betonten. Denn die Entdeckung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet: Nach allem, was wir bisher über die Eigenschaften des heutigen Mars wissen, müßte alles Wasser unter seiner Oberfläche bis in mehrere Kilometer Tiefe permanent gefroren sein. Mit Grundwasser in wenigen hundert Metern Tiefe hatte niemand gerechnet, und was die nötige Wärme erzeugen sollte, ist ebenfalls unklar.

Auch die Physik der Bildung der Gullies, die ausgerechnet in Polnähe und auf polwärts gerichteten Abhägen am häufigsten sind, wirft Fragen auf. Malin et al. stellen als erste Theorie ein Szenario in den Raum, bei dem sich das Wasser hinter einer Eisbarriere aufstaut und dann plötzlich freibricht und mit jeder Menge Geröll zu Tal stürzt - so könnte ein explosionsartiges Verdampfen vermieden werden, das flüssigem Wasser auf der Marsoberfläche bei dem geringen atmosphärischen Druck eigentlich blühen müßte. Auf jeden Fall ist das Phänomen selten und bisher nur auf rund 150 von über 20 000 hochauflösenden MGS-Bildern gefunden worden. Kurioserweise sind sämtliche der Gullies frisch - es gibt kein einziges Exemplar, das von anderen Formationen (wie etwa Sanddünen) teilweise verschüttet ist. Noch eines mehr von vielen Rätseln... [25.6.2000]

[62] Links: NASA Science News, Science Magazine Press Release und ein Artikel aus Spaceflight Now mit weiteren Einzelheiten. Jede Menge weitere Links gibt es auch im Cosmic Mirror Nr. 194.



Bessere Prognosen von Magnetstürmen

soll ein neues Modell ermöglichen, das die Wanderung von koronalen Massenauswürfen (CMEs) der Sonne auf dem Weg zur Erde beschreibt. CMEs können die Sonne mit einer beliebigen Geschwindigkeit zwischen 20 und 2000 km/s verlassen und damit entweder langsamer oder schneller als der Sonnenwind sein, den sie durchqueren müssen - er beschleunigt oder bremst sie dabei. Die »Reisezeit« der CMEs kann wegen dieses nun modellierten Effekts zwischen 2 und 5 Tagen liegen. Allerdings bleibt weiter das Problem, die ursprüngliche Geschwindigkeit des CMEs zu messen: Der Massenauswurf macht sich - auf Bildern der SOHO-Koronographen - nur als Blase bemerkbar, die sich rund um die Sonne langsam ausbreitet. [21.6.2000]

[61] Links: GSFC Press Release und weitere Einzelheiten. Und bei Analemma.de gibt es jetzt eine neue Polarlicht-Seite mit aktuellen Daten.


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