Die MegaLithos News
Nr. B71-B80 vom 15.-20.1.2006
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Msec-PSR gewogen | Herbig-Haro spielt Tornado | Was vor den AGNs kam | Stardust zurück! | Staubige Kataklysmische | Buntes Wagenrad | Wer uns durch's All zieht | Auf zum Pluto! | Catalina Survey in Führung | Interferometrie mit Glasfaser | Laser-Test über 24 Mio. km
Schon mit dem bloßen Auge zu sehen: Stardust-Fänger voller Kometenstaub

Die Stardust-Forscher waren erst sprachlos und dann - wie sie erzählen - stundenlang völlig aus dem Häuschen: Nachdem die Stardust-Kapsel zwei Tage nach der glücklichen Landung (siehe Artikel B73) am Johnson Space Center angekommen und noch am selten Tag im Reinraum (Bild oben) geöffnet worden war, ließen sich hunderte Spuren eingeschlagenen Kometenstaubs sofort mit dem bloßen Auge erkennen! Ein Eintrittstrichter war so groß, daß man beinahe den kleinen Finger hineinstecken konnte, manche Spuren teilten sich im Aerogel (waren sie explodiert, weil noch gefrorene Gase in den Teilchen steckten?), und oft war am Ende einer Spur deutlich das verursachende Teilchen zu entdecken. In einem Fall (Bild unten) war das 11 µm große Teilchen eindeutig silikatischer Natur (und erscheint durchsichtig), womit diese Komponente der Kometenmaterie endgültig bewiesen ist.

Jetzt werden die Aerogel-Blöcke erst einmal systematisch fotografiert, ab kommender Woche dann die ersten Teilchen herausoperiert und schon bis Monatsende den ersten Labors in aller Welt zugänglich gemacht. Insgesamt sechs Arbeitsgruppen liegen auf der Lauer, mit zusammen 150 Forschern, darunter auch Teams in Mainz, Frankfurt und Münster. Nach erster Ansicht müssten rund eine Million Kometenteilchen größer als 1 µm im Aerogel stecken, und aus der Größenverteilung des Kometenstaubs kann man hochrechnen, daß es ein Dutzend Teilchen mit mindestens 100 µm und vielleicht sogar eines mit über 1 mm Durchmesser geben sollte. Die Auswertung sollte nun rasant anlaufen, und schon auf einer großen Planetenkonferenz im März soll es die ersten Ergebnisse geben. Das Aerogel selbst hat in den sieben Jahren im Weltraum übrigens kaum Schaden genommen: Das wird der Suche nach den - wie man jetzt schätzt 100 bis 200 - interstellaren Staubteilchen auf der Rückseite des Fängers im Rahmen von Stardust@home zuträglich sein; 65'000 Interessenten haben sich schon gemeldet. [20.1.2006]

[B80] Links: eine NASA-Seite mit immer neuen Bildern und Meldungen, ein Univ. of Wash. Press Release und Artikel von Planetary Soc., AstroBiology und Space Today.


Lasersignale mit MESSENGER ausgetauscht - über 24 Mio. km hinweg

Daten wurden zwar keine übertragen, aber das Experiment im vergangenen Mai gilt als Meilenstein für künftige Anwendungen in der interplanetaren Kommunikation: Das Mercury Laser Altimeter auf der NASA-Sonde MESSENGER (auf dem Weg zum Merkur) schickte Laserblitze zur Erde und empfing umgekehrt Lasersignale, die das Goddard Geophysical and Astronomical Observatory der NASA abstrahlte. Erst einmal hatte es vergleichbare Experimente gegeben, 1992 mit Galileo während eines Erdvorbeiflugs über jedoch 6 Mio. km hinweg und auch nur in Richtung Sonde. Bei den MESSENGER-Experimenten feuerten die Laser an Bord und auf der Erde zwar unabhängig voneinander, dank der stabilen Borduhr konnten die Zeiten aber genau ausgewertet werden - und die Distanz von Raumsonde und Sternwarte, die sich daraus ergab, wich um nur 52 Meter von jenem Wert ab, der auf traditionelle Weise über den Dopplereffekt des Funksignals berechnet worden war. [20.1.2006]

[B79] Quelle: Smith & al., Science 311 [6.1.2006] 53. Links: Artikel von BBC, Guardian und Telepolis.


Keck demonstriert optische Interferometrie via Glasfaser - bald alle Mauna-Kea-Teleskope verbunden?

'OHANA (Optical Hawaiian Array for Nanoradian Astronomy; das »'« gehört dazu) nennt sich ein kühnes Projekt, bei dem alle großen optischen Teleskope auf dem Mauna Kea - die zwei Kecks, Subaru, Gemini Nord, das CFHT, das UKIRT und die IRTF - zu einem gewaltigen Interferometer mit 800 Metern Basislänge (Auflösung besser als eine Millibogensekunde im Nah-IR) und enormer Lichtsammelkraft zusammengeschlossen werden sollen: Da es utopisch wäre, den ganzen Berg auf Hawaii für die Strahlengänge zu untertunneln, kann die kohärente Lichtvereinigung nur mit Glasfasern gelingen. Deren spezielle optische Eigenschaften bereiten optischer Interferometrie eine Menge Probleme, aber es geht tatsächlich: Die beiden Keck-Teleskope konnten mit einer Single-Mode-Faser verkoppelt werden (wobei Adaptive Optik sowie die normalen Delaylines des Keck-Interferometers benutzt wurden, um die Lichtwege auszugleichen) - und es waren klare Interferenzstreifen zu sehen. Noch sind die Lichtverluste hoch, aber der »throughput« dürfte sich bis auf 10% steigern lassen und dann sogar die klassische Technik mit Tunneln und Spiegeln schlagen. [20.1.2006]

[B78] Quelle: Perrin & al., Science 311 [13.1.2006] 194. Link: die Homepage des Projekts 'OHANA mit vielen Dokumenten.

Ein katastrophensicheres Datenarchiv für die ESO, deren Teleskope bald 500 Gigabyte pro Nacht produzieren dürften, wird eine Münchener Firma auf der Basis der PetaSite-Magnetbandspeicher entwickeln - und sicherheitshalber an zwei Standorten gleichzeitig installieren: Kayser-Threde PM.


New Horizons unterwegs zum Pluto - und darüber hinaus!

Am Ende lief alles wie am Schürchen: Punkt 20:00 MEZ am 19. Januar hob die Atlas V in Cape Canaveral ab, und nach 45 Minuten völlig problemloser Arbeit der mächtigen Rakete, ihrer 5 Feststoffbooster, der Centaur-Oberstufe, die zweimal zündete, und einer dritten Stufe war die erste Raumsonde zum Pluto unterwegs - so schnell, daß sie nach nur 9 Stunden die Mondbahn kreuzte und bereits Ende Februar 2007 den Jupiter erreichen wird, dessen Schwerkraft New Horizons weiteren Schwung verleihen soll. Da der mehrfach verschobene Start vor dem 28. Januar gelang, wird der Pluto schon am 14. Juli 2015 erreicht: Ab dem 29.1. wäre die Ankunft auf 2016 bis 2020 gerutscht, und nach dem 14.2. hätte gar keine Startmöglichkeit mehr bestanden. Um 20:50 MEZ meldete sich New Horizons zum 1. Mal über die DSN-Station in Canberra: Alles perfekt an Bord! Und die Bahn ist exzellent.

Das Startfenster hatte sich bereits am 11.1. geöffnet, doch wegen Bedenken hinsichtlich eines Tanks der Rakete war der Start bereits auf den 17.1. gewandert. Kleine technische Probleme und dann ständig zu starker Wind verhinderten an diesem Tag ein Abheben, auch wenn die NASA 6-mal (!) neue Startzeiten anpeilte und innerhalb des jeden Tag eine Stunde und 59 Minuten langen Zeitfensters bis fast zur letzten Minute die Hoffnung nicht aufgab. Am 18.1. wurde der Start schon Stunden vorher abgesagt, weil ein Unwetter die Stromversorgung der Johns Hopkins University lahmgelegt hatte, wo die Kontrolle der Raumsonde sitzt: Nur mit Notstrom wollte man es nicht riskieren. Und auch am 19.1. mußte der Start wieder und wieder um schließlich 52 Minuten verschoben werden, weil sich die Wolkendecke über dem Cape nur zögerlich auflockerte. Aber schließlich waren alle Kriterien erfüllt, und die ebenso rasante wie lange Reise begann: Mit 16 km/s eilt New Horizons nun von der Erde fort, so schnell wie nie eine Sonde zuvor. Die meiste Zeit wird New Horizons gewissermaßen schlafen, dabei aber die 2.1-m-Hauptantenne auf die Erde ausgerichtet halten und Statusdaten liefern; nur einmal pro Jahr gibt einen intensiven 50 Tage langen Checkout.

Der Jupiter-Swingby spart nicht nur bis zu 5 Jahre Flugzeit, sondern kann auch zum Testen der sieben Instrumente genutzt werden: Sie stellen eine neue Dimension der Miniaturisierung dar, bringen es zusammen auf gerade einmal 30 kg (bei einer Gesamtmasse der Sonde von 478 kg beim Start) und benötigen zusammen nur 28 Watt - und doch sind sie weit leistungsfähiger als was die Voyager-Sonden vor 30 Jahren in die Tiefen des Sonnensystems mitnahmen. Da gibt es drei Kameras und Spektrometer für sichtbares, UV- und IR-Licht, zwei Plasmadetektoren, einen Staubzähler (den Studenten bauten - auch eine Premiere in der interplanetaren Raumfahrt der NASA) und Radio Science. Mit 14 km/s wird New Horizons am Pluto vorbeieilen (vermutlich in rund 10'000 km Abstand), wobei sich ein Großteil der Forschung auf ±12 Stunden konzentiert. Und dann geht es - sofern die NASA die Fortsetzung der Mission finanziert; die bisher garantierten 700 Mio.$ reichen von 2001 bis 2016 - in den folgenden Jahren weiter zu einem oder gar zwei anderen größeren Objekten des Kuipergürtels, die irgendwo in einem 1/10° großen Kegel hinter Pluto warten: Noch sind gar keine Ziele ausgesucht, denn eine Spezialdurchmusterung ab 2012 dürften noch massig neue KBOs in diesem Kegel aufstöbern. [20.1.2006]

[B77] Quellen: Live-Übertragungen von Pressekonferenzen und Startversuchen am 15., 17. und 19.1.2006 via NASA TV. Bei der PK am 15.1. bekannte sich Projektchef Alan Stern übrigens zu 17 Planeten im Sonnensystem, 4 terrestrischen, 4 Gasriesen und derzeit 9 großen »Eiszwergen«, zu denen Pluto gehört - damit sei nicht mehr er der Exot, sondern die Erde ... Links: die Homepage, die neuesten Meldungen der NASA, eine einsame Beobachtung der davonsausenden Sonde aus Australien, NASA, Mikulski und ILS Releases und Artikel von Spacefl. Now, Plan. Soc., New Sci., BBC, VoA, Discovery, Fla. Today, Rocky Mtn. News, Space Today vom 19., 18. und 17. Januar, Rhein. Post, NetZeitung und Welt zum Start sowie lange Artikel der Planetary Soc. über den sehr langen Weg bis zur Startrampe und von Spacefl. Now zur Mission selbst.


Catalina Sky Survey führt bei den Entdeckungen erdnaher Asteroiden

Drei Teleskope in Arizona und Australien, die in den letzten Jahren technisch auf den neuesten Stand gebracht wurden, und immer trickreichere Software haben es möglich gemacht: Die »CSS« hat inzwischen die berühmten Robot-Teleskope LINEAR, NEAT und Co. weit hinter sich gelassen! 49% aller Near Earth Objects (NEOs), die 2005 entdeckt wurden, gingen auf das Konto von Catalina: 310 Stück, davon 29 mit mindestens 1 km Durchmesser und 40, die als »potentially hazardous« eingestuft werden. LINEAR kam nur auf 137 (22/20), Spacewatch auf 82 (10/8), LONEOS auf 42 (4/10) und NEAT auf 38 (9/8). Dabei war die CSS auch noch kostengünstiger als die anderen Projekte, die von der NASA finanziert werden. Derzeit gehören eine 70-cm-Schmidtkamera auf dem Mount Bigelow und ein 1.5-m-Cassegrain auf dem Mt. Lemmon (beide in den Sta. Catalina Mtns. nördlich von Tucson) sowie eine 50-cm-Schmidtkamera im australischen Siding Spring zur CSS, jeweils mit großformatigen CCDs ausgestattet, die pro Teleskop 20 GB Daten pro Nacht liefern; Amateurastronomen helfen bei der weiteren Bahnverfolgung neuer Objekte. [20.1.2006]

[B76] Link: ein Univ. of AZ Press Release.

Streifende Kollisionen ähnlich großer planetarer Körper im frühen Sonnensystem hatten erstaunliche Folgen und v.a. für den noch einmal davon gekommenen kleineren Impaktor die tollsten Konsequenzen, haben detaillierte Berechnungen gezeigt - selbst heute noch müßte man Auswirkungen im Sonnensystem finden: ein UCSC Press Release und Artikel von Discovery und Space.com.


Galaxienkonzentration weit hinter dem »Großen Attraktor« zieht an der Milchstraße

Mit 625 km/s bewegt sich die Milchstraße in Richtung Centaurus, der resultierende Vektor aller Gravitationswirkungen von Massenkonzentrationen im den umgebenden hunderten Millionen von Lichtjahren. Der »Große Attraktor«, ein Superhaufen aus etlichen Galaxienhaufen, wird seit gut 20 Jahren als ziehende Hauptmasse verdächtigt, doch eingehende Untersuchungen wurden dadurch erschwert, daß die Ebene der Milchstraße den Blick dorthin versperrt. Im Röntgenbereich ist der Durchblick einfacher, und eine aufwändige Durchmusterung, »Clusters in the Zone of Avoidance« (CIZA), hat nun ergeben, daß der Attraktor gar nicht so viele Galaxienhaufen enthält wie einst vermutet: Vielmehr ist es der mit 500 Mio. Lichtjahren viermal weiter entfernte und vielmal massereichere Shapley Supercluster, der mit seinen zusammen fast 10'000 Milchstraßenmassen die Dynamik dominiert. Die Feststellung, daß der Große Attraktor doch nicht so groß und der Shapley-Superhaufen so weit entfernt ist, paßt auch gut zur heute allgemein akzeptierten geringen Dichte des Alls. [20.1.2006]

[B75] Links: Papers von Kocevski & Ebeling und Kocevski & al. und ein IfA Press Release (mit Bildern).

Jede Menge mittelferne Supernovae entdeckt wurden im Rahmen der Sloan Supernova Survey - innerhalb weniger Monate allein 139 vom kosmologisch relevanten Typ Ia in 1 bis 3 Mrd. LJ Distanz: SDSS Press Release. Kann man mit Gamma Burstern ebenfalls Kosmologie betreiben und gar schon jetzt auf einer Zeitvariabilität der Dunklen Energie schließen? Kaum jemand will den kühnen Schlüssen folgen: die Idee, ein LSU Press Release und Artikel von Wash. Post, New Sci., Space Today und BdW.

Die Chemie des Kosmos bei z>6, als die Reionisation noch nicht gelaufen war, läßt sich anhand von Quasarspektren untersuchen - die chemische Elementzusammensetzung erinnert stark an die Hinterlassenschaften ganz normaler Supernovae des Typs II: Caltech Press Release. Weitere Belege für die »Dunkle Galaxie« aus Artikel A28 sieht der Entdecker, u.a. in ihrer Wirkung auf den Nachbarn NGC 4254: PPARC Press Release.

Ein milchstraßengroßer »Tunnel« durch einen Galaxienhaufen - wohl die Wirkung eines Jets aus der Zentralgalaxie - ist in Abell 2597 gefunden worden: NRL Press Release. Unverhoffte junge Sternhaufen im »Gezeiten-Müll« von NGC 2782, entstanden offenbar ohne die Hilfe von molekularem Gas: ein U of A Press Release, ein (älteres) Poster und ein neues Bild.

Eine kleine Galaxie mit einem dicken Quasar darin, den man dort nicht erwarten sollte, ist J170902+641728: NRAO Press Release. Wie die mutmaßlichen Supermassiven Schwarzen Löcher in den Galaxien wuchsen: CfA Press Release.

Mehrere Kugelsternhaufen - und eine neue Zwerggalaxie - zwischen den Galaxien des Virgohaufens (s.a. Artikel B28) sind beim HST-Projekt Virgo IntraCluster Stars (VICS) zwischen M 87, 86 und 84 aufgestöbert worden: Youngstown State Univ. PR. Ein Maser im Herzen von NGC 3079: CfA Press Release.

»Super Star Clusters« entstehen noch heute in einem Dutzend naher Galaxien und verraten sich im Radio und IR durch die Anregung von »Supernebeln« - sie ähneln den (allesamt sehr alten) Kugelhaufen der Milchstraße: UCLA Press Release (mehr). In den High Velocity Clouds der Milchstraße gibt es keine Sterne - die vermißten Zwerggalaxien stecken dort also nicht: Univ. of Pittsburgh Press Release.

Die »Sloan Extension for Galactic Understanding and Exploration« zeichnet ein neues Bild der Milchstraße - schon jetzt hat SEGUE zahlreiche Entdeckungen über ihre Struktur und Bewohner gemacht: SDSS Press Release. Superblase quillt aus der Milchstraße: NRAO Press Release. Sgr A* in vielen Wellenlängen parallel & mit hoher Auflösung beobachtet: Northwestern und UCLA Press Releases.

Ein multispektrales Bild der »Wagenrad-Galaxie«

ist aus Bildern von Chandra im Röntgenbereich, GALEX im UV, Hubble im grünen Licht und Spitzer im IR erstellt worden (fast alle derzeit aktiven US-Astrosatelliten haben mitgemacht) - die Galaxie hat bekanntlich einen »glatten Durchschuß« durch eine andere, kleinere Galaxie erlitten, was ihr Innenleben durcheinandergebracht und die Entstehung eines Rings neuer Sterne zur Folge hatte: JPL und Chandra Releases, ein APOD und Artikel von New Sci. und Astron. [20.1.2006]

Ein hochauflösendes und großflächiges Radiobild des Supernova-Überrests von 1006 ist aus Daten des Green Bank (Einzel-)Telescope und des Very Large Array erstellt worden: Poster von K. Dyer.

Exotische Kataklysmische Veränderliche stecken in Staubscheiben

Sie bestehen aus einem hochmagnetischen Weißen Zwerg mit 0.6 Sonnen- und einem Braunen Zwerg mit 40 bis 50 Jupitermassen, den der WZ mit seiner Schwerkraft in Tropfenform zwingt und allmählich aufsaugt, was auf seiner Oberfläche zu enormer Aufheizung führt - und bei vier derartigen Sternsystemen, EF Eri, V347 Pav, GG Leo und RX J0154, hat das Spitzer Space Telescope jetzt einen Infrarot-Exzess gefunden, der eigentlich nur durch eine relativ kühle Staubscheibe erklärt werden kann, die das gesamte System umgibt. (Zyklotronstrahlung durch das Magnetfeld des WZ kann allerdings als Quelle der IR-Emission nicht völlig ausgeschlossen werden.) Bisher kannte man nur zwei Weiße Zwerge mit Staubscheiben, G29-38 und GD 362, beides isolierte Sterne. Wie Weiße Zwerge, die ihr Leben als Stern praktisch hinter sich haben, zu Staubscheiben kommen, ist nicht recht klar; es könnte es sich z.B. um Kondensate aus der Zeit stammen, als die Stern bei der Evolution zum WZ den Großteil ihrer Hülle verloren. [20.1.2006]

[B74] Links: ein NOAO Press Release zu den Kataklysmischen und Spitzer und NASA Press Releases mit der Vermutung, daß der Staub um G29-38 von Kometen stammt.

Ein »nur« 112'000 Jahre alter Millisekundenpulsar mit Begleiter - 144 ms Periode, 4 Stunden Orbit - erlebt eine relativistische Periheldrehung von 7.6°/Jahr, 60'000-mal schneller als beim Merkur: Jodrell Bank Press Release. Es gibt das erste Spektrum eines der Lichtechos in der LMC aus Artikel B62 - es war eine Supernova des Typs Ia: NOAO Press Release, Astronomy. WZ auf dem Weg zu einer Ia-SN gefunden? Villanova Press Release.

»Extended Red Emission« stammt von Nanodiamanten - die vielfach im Kosmos angetroffene Photolumineszenz durch einen Festkörper konnte durch Laborversuche auf jene Kohlenstoffversion zurückgeführt werden, die gern bei alten Sternen entsteht: Astronomy, BdW. FU-Orionis-Ausbrüche im Computermodell durch abstürzende Scheibenklumpen erklärt: Univ. of W. Ontario Press Release.

Braune Zwerge entstehen wie Sterne (und nicht durch Herauswurf aus Sternhaufen) - davon zeugen viele Fälle von BZn mit Staubscheiben wie auch sehr winzige Kerne in Molekülwolken (»Very Low Luminosity Objects« oder VeLLOs), beides Spitzer-Erkenntnisse: McDonald Obs. Press Release. Staubscheiben in der Taurus-Region verschwinden rapide: IfA Press Release.

Exoplaneten bilden sich geradezu gerne um Mehrfachsterne (die von 131 bekannten Systemen mit Exoplaneten haben 29 mehr als eine Sonne, und in drei dieser Fälle ist das Sternsystem sogar ein dreifaches) - und auch Theoretiker können sich mit multiplen Sonnen anfreunden: Carnegie Press Release, Space.com.

Eine neuartige Technik zur effizienten Suche nach Exoplaneten mit der Radialgeschwindigkeitmethode aber einem Interferometer und einem Billig-Spektrographen, die bereits im 19. Jh. (!) vorgeschlagen wurde, funktioniert erstaunlich gut - jetzt hat der »Exoplanet Tracker«, der bereits bekannte Planeten bestätigte, auch seine erste eigene Entdeckung gemacht: Univ. of Fla. Press Release.


Stardust zurück: Kapsel mit kosmischen Staub sicher gelandet

Zuletzt wurde es noch einmal spannend, als die am Fallschirm einschwebende Kapsel durch bodennahen Wind 7 km weit vom erwarteten Zielpunkt abgetrieben und erst eine halbe Stunde verspätet vom ersten Hubschrauber erreicht wurde - aber ansonsten war alles wie am Schnürchen gelaufen, als die Sample Return Capsule der Stardust-Mission heute morgen über dem Pazifik in die Erdatmosphäre eintrat, einem künstlichen Meteor gleich über Kalifornien und Nevada hinwegschoß (Bild unten: Originalaufnahme des »Boliden« aus einem Beobachtungsflugzeug) und anschließend nach dem ordnungsgemäßen Auslösen erst eines kleinen und dann eines großen Fallschirms in Utah sanft zu Boden schwebte. Genau in jener Stunde, die schon beim Start vor 7 Jahren (siehe Cosmic Mirror # 121) genannt worden war!

Äußerlich war die Kapsel völlig unbeschädigt, aber was drinnen steckt, wird sich erst zeigen, wenn der Probenbehälter ab dem 17.1. in einem Speziallabor im Johnson Space Center in Houston ausgepackt wird: Wenn während des Vorbeiflugs am Kometen Wild 2 vor zwei Jahren (siehe Artikel 810) und bei ausgedehnten Sammelaktionen im interstellaren Raum in den Jahren davor alles glatt gegangen ist, dann sollten rund 1000 größere (und zahllose kleinere) kometare und etwa 45 interstellare Staubteilchen in den Aerogel-gefüllten Fächern stecken. Der Kometenstaub dürfte leicht zu finden sein, und die Labors in aller Welt, denen Teilchen zugesichert wurden, können schon in wenigen Wochen mit der ersten Lieferung rechnen. Die interstellaren Staubteilchen sind dagegen so wenige, daß man kurzerhand die Öffentlichkeit eingeladen hat, mit zu suchen: Wer im Rahmen von »Stardust@home« auf Millionen Mikroskopaufnahmen fündig wird, darf das Teilchen taufen und wird in der ersten wissenschaftlichen Veröffentlichung als Coautor genannt.

Fast völlig vergessen wurde angesichts der glücklichen Rückkehr der Kapsel, daß der auf Stardust montierte deutsche Staubanalysator CIDA bereits »vor Ort« wichtige Informationen über die Eigenschaften des interstellaren (siehe Artikel 802) wie des Kometenstaubs geliefert hatte. So ähnelt der Staub von Wild 2 den Teilchen des Halleyschen Kometen: Die Partikel sind im wesentlichen organisch, also aus komplizierten Kohlenstoffverbindungen aufgebaut. Da CIDA wegen der geringen Impaktgeschwindigkeit von 6.1 km/s diesmal nur die äußerste Schicht der Teilchen »sehen« konnte, paßt dies gut zum vorherrschenden Bild von Kometenstaub als einem mineralischen Kern in einer Eishülle, in der viel aufregende Chemie steckt. Die Wild-Teilchen waren besonders reich an Stickstoff und Schwefel, während Sauerstoff selten war und Wasser ganz fehlte: In den 20 bis 60 Minuten, die die Staubteilchen für den Weg vom Kern bis zu CIDA benötigten, hatten die meisten flüchtigen Gase die Teilchen bereits verlassen. Ebenfalls abwesend waren z.B. Aminosäuren: Die organische Materie in Kometen mag bei der Entstehung des Lebens auf der Erde geholfen haben, aber fertige Bausteine lieferten sie nicht. [15.1.2006]

[B73] Quelle: Liveübertragung der Landung und der ersten PK danach via NASA TV. Links: zur Landung Bilder und Pressemitteilungen auf der NASA-Seite, Press Releases von der Univ. of Washington, der NASA und dem Planetarium Bochum und Artikel von Plan. Soc., Spacefl. Now, BBC, AstroBiology, Astr., Rocky Mtn. News, New Sci., Space Today, TelePolis und DPA.

Außerdem die Homepages der Reentry-Beobachter, für die die Stardustkapsel ein besonders fetter kontrollierter Meteor war (siehe auch eine wachsende Link-Sammlung und eine Bilder-Galerie), und von Stardust@home, über das auch ein Berkeley Press Release und eine Sonderseite der Planetary Society informieren - und Pressemitteilungen aus Deutschland im Vorfeld der Landung von vH&S und aus Frankfurt, Münster und Stuttgart.


»Kaulquappen« im Hubble Ultra Deep Field Vorformen der AGN

Rund 10'000 Galaxien zeigt dieser tiefste Blick des Weltraumteleskops (siehe Artikel 867), und von 2700 davon haben 165 eine charakteristische kaulquappenartige Gestalt, mit einem hellen Knoten und einen Schweif aus Sternen: Computersimulationen legen nahe, daß dies Galaxien sind, denen zum ersten Mal eine andere nahekam, die aber noch nicht vollständig verschmolzen sind. Nun hat sich gezeigt, daß keine einzige der »Kaulquappen« - die wir durchweg zu einer Zeit sehen, als das All 4.5 bis 6 Mrd. Jahre alt war - irgendeine zeitliche Variabilität zeigt, wie sie für Aktive Galaktische Kerne (AGNs) typisch ist: Wenn ihre Zentralen Maschinen durch die Begegnungen bereits verstärkt gefüttert werden, dann geschieht dies noch hinter derart viel Gas und Staub, daß keine flackernde Strahlung nach außen dringt. Erst rund 500 Mio. bis 1 Mrd. Jahre später setzt die AGN-Phase ein, wenn Strahlung und Wind das Zentrum freigeblasen haben. [15.1.2006]

[B72] Links: HST und ASU Press Releases und ein Artikel von New Sci.

Galaxienverschmelzungen sind nicht der wichtigste Trigger für Starbursts, sondern es kommt in erster Linie auf den Vorrat an »Baumaterial« an - das zeigt eine Durchmusterung von 3500 Galaxien bis z=1.4 im »Extended Groth Strip«, bei der auch viele Galaxien mit heftiger Sternbildung aber ohne erkennbare Zeichen einer Kollision gefunden wurden; bei großer Masse kommt es auch so zu früher und rasanter Sternentstehung: UCSC Press Release.

In Elliptischen Galaxien geht es wilder zu als gedacht, haben Chandra-Beobachtungen des heißen Gases in 56 Exemplaren gezeigt, das in keiner Weise mit dem Anblick im Optischen korrespondiert - offenbar gibt es häufig anhaltende Kernaktivität, die es durcheinander wirbelt: Chandra und NASA Releases.

Kleine nahe Galaxie gibt Hinweis auf Reionisation des Kosmos in dessen Frühphase - FUSE-Messungen an Haro 11 zeigen nämlich, daß 4 bis 10% der ionisierenden Strahlung heißer Sterne aus dieser Galaxie entweichen, und sie ist von einer Sorte, wie sie damals (als Baustein der späteren großen Galaxien) verbreitet gewesen sein dürfte: JHU Press Release.

Die Zwerggalaxien-Begleiter von M 31 liegen überwiegend in einer scharfen Ebene (jedenfalls 9 von 14), die einen rechten Winkel zur Scheibe der Andromeda-Galaxie bildet, welche mitten drin liegt - mögliche Erklärungen gibt es eine ganze Reihe: eine PM der Uni Basel und ein Artikel vom New Sci.

Noch eine Zwerggalaxie, die gerade von der Milchstraße verspeist wird, ist in den Daten der SDSS entdeckt worden - die Million Sterne der »Virgo Overdensity« verteilen sich über gut tausend Quadratgrad am Himmel, womit diese Galaxie zugleich die größte am Himmel und eine der am schwersten zu sehenden ist: ein SDSS Press Release und Artikel von Astronomy und R24.

Ein Herbig-Haro-Objekt spielt Tornado

So etwas gab es auf tausenden von Spitzer-Bildern noch nicht zu sehen - die Schockfront des Jets eines jungen Sterns, HH 49/50, hat eine helikale Gestalt, die an einen Tornado erinnert, und entlang des Schlauchs ändert sich auch noch die IR-Farbe: ein CfA Press Release und Artikel von Rocky Mtn. News und Space.com. [15.1.2006]
Ein Spitzer-Bild des Helix-Nebels zeigt tausende »kometare« Blobs, die der Zentralstern dieses Planetarischen Nebels vor Jahrtausenden ausgestoßen hat: ein CfA Press Release und ein Artikel von S&T.
Ein Mosaik des Orion-Nebels mit einer Milliarde Pixeln ist aus 520 Bildern der ACS montiert worden, die während 105 Orbits entstanden - über 3000 Sterne sind zu erkennen: HST, ESA HST und NASA Releases plus Space.com. Detaillierte Untersuchungen der Sternwinde im Orionnebel: Vanderbilt News. Der nächste Große Nebel wird W3 in der Cassiopeia, in dem sogar schon ein »Proto-Trapez« steckt - just wenn M 42 am Ende ist, dürfte W3 hell aufleuchten: CfA Release.
Ein IR-Mosaik der Zentralregion der Milchstraße, 890 x 640 Lichtjahre groß, hat Spitzer geliefert - u.a. sind jede Menge Arten von Staubwolken zu sehen: Spitzer und JPL Releases plus Discovery.
Die Magellanschen Wolken im Licht von Emissionslinien ihres interstellaren Mediums sind mit einem 90-cm-Teleskop in Chile kartiert worden: NOAO Release. Die Magellanschen Wolken bei vielen Wellenlängen: UIUC Press Release.
196 Bilder von Galaxien im UV, nach Farbe sortiert, zeigt ein Auszug aus dem GALEX-»UV Atlas auf Nearby Galaxies«: PhotoJournal.

Die erste präzise Massenbestimmung eines »aufgezogenen« Millisekundenpulsars

ist bei J1909-3744 gelungen, der 340-mal pro Sekunde um die eigene Achse sowie gemeinsam mit einem Weißen Zwerg alle 1.5 Tage um das gemeinsame Massenzentrum rotiert. Der Orbit ist der rundeste, den man im Kosmos kennt: Er hat über 1 Mio. km Durchmesser, aber die große Achse ist nur 10 µm größer als die kleine (vgl. auch Artikel 711). Dies - und die Tatsache, daß wir die Bahn fast genau von der Seite sehen - ermöglicht eine besondere präzise Messung des sogenannten Shapiro Delays: Dieser Effekt der Allgemeinen Relativität durch das Schwerefeld des Begleiters läßt die Pulse des Neutronensterns 14 Mikrosekunden verspätet eintreffen, wenn er sich auch der fernen Seite des Orbits befindet. Daraus wiederum läßt sich seine Masse zu 1.44±0.02 Sonnenmassen bestimmen: Das paßt zu der beliebten Sichtweise, daß Millisekundenpulsare durch Materiezustrom eines Begleiters erst richtig auf Touren gebracht werden, dann alle langsamer rotierenden Neutronensternen, deren Massen man bestimmten konnte, haben 1.44 oder weniger aber niemals mehr Sonnenmassen. [15.1.2006]

[B71] Link: NRL Press Release.

Ein neuer Rekord für die Rotationsgeschwindigkeit eines Millisekundenpulsars ist nach 24 Jahren aufgestellt worden - Terzan 5ad, einer der zahlreichen msec-Pulsare im Kugelhaufen Terzan 5, schafft 716 Umdrehungen pro Sekunde, mehr als manche Theoretiker »erlauben« würden: ein Paper von Hessel & al., ein NRAO Press Release und Artikel von Sky & Tel. und New Sci.

Die Vega zeigt eine extreme Randverdunklung, zu der ihre rasante Rotation (92% des kritischen Wertes) maßgeblich beiträgt - mit dem optischen Interferometer CHARA konnte das genau vermessen werden: ein NOAO Press Release und Artikel von Sky & Tel. und Space.com.

Ein seltsames Paar Brauner Zwerge, die gemeinsam entstanden aber ganz unterschiedliche Atmosphären besitzen, ist bei einer Durchmusterung entdeckt worden - der eine hat offenbar viele Wolken, der andere nicht: IfA Press Release.


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